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Shitney Beers thematisiert in „Keys“ die Angst auf dem Nachhauseweg

Ein schmaler Grat liegt zwischen richtig guten und schon wieder schlechten Künstler*innen-Namen. Shitney Beers lässt sich meiner Ansicht nach eindeutig auf der genialen Seite anordnen. Mit „Keys“ veröffentlicht sie einen Vorboten auf ihr Debut-Album.

Foto: Sebastian Igel
Hinter Shitney Beers verbirgt sich Maxi Haug aus Mannheim. Die Musiker*in veröffentlicht seit 2018 Musik, nebenbei macht sie eine Ausbildung zur Köch*in in einem Veggie-Restaurant. Ihre Diskographie umfasst bisher vier EPs. Wer jetzt schon eifrig in die Spotify-Suchleiste tippen wollte, den muss ich leider enttäuschen. Drei von vier EPs gibt es nur bei Bandcamp zu hören.

Ihre neue Single Keys findet man aber auf Spotify. Ein ruhiges Lied, das mit Sicherheit von Künstlerinnen wie Phoebe Bridgers und Julien Baker inspiriert ist. Im Vordergrund steht die Gitarre, die selten von Shitney Beers‘ Seite weicht und ihren halligen Gesang begleitet - ein sehr reduziertes Setting, das viel Platz für die Botschaft des Songs schafft. Und ich wünschte, ich könnte nicht zu den Lyrics relaten.

You rarely see us walking at night 
without our keys held tight

Shitney Beers erzählt in Keys von der Realität für FLINTA*, die im Jahr 2021 immer noch Angst haben müssen, wenn sie nachts alleine irgendwo hinlaufen wollen. Wie oft ich Telefonate vorgetäuscht habe, versucht habe „männlich“ zu laufen, meine Kapuze über den Kopf zu ziehen oder meine Schlüssel fest umklammert habe, um mich sicherer zu fühlen - Maxi geht es genau gleich.

„not all men“ are still too much

Nachdem durch den Mord an Sarah E. in Großbritannien Anfang des Jahres mediale Aufmerksamkeit auf dieses Thema rückte, kam direkt Gegenwind durch den Hashtag #notallmen auf. Dabei ist den Betroffenen grundsätzlich klar, dass nicht jeder Mann einen Femizid oder ähnliches begeht, aber solange nicht #nomen die Realität ist, muss man immer erst von Gefahr ausgehen - das bringt die Künstler*in in dieser Zeile perfekt auf den Punkt.

Mit Keys verarbeitet Shitney Beers ihre Erfahrungen und teilt unter ihrem Musikvideo auf Instagram weitere sehr lesenswerte Gedanken dazu. Im Video selbst sind verschiedene FLINTA* aus ihrem Umfeld zu sehen, die ernst in die Kamera lip-syncen. Und sie alle wissen wovon Maxi singt, haben vermutlich eigene Geschichten dazu. Für jede*n, der*m es genauso geht ist der Song eine wohltuende Umarmung, in der man sich einfach nur verstanden fühlt.

Am 23.07.2021 erscheint die volle Ladung Shitney Beers auf ihrem Debütalbum Welcome to Miami, die hoffentlich genauso ehrlich und direkt ist wie Keys.

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